Einfach erklärt: Salicylate und Salicylsäure
- Veröffentlicht am
- 29. September 2021
Hast du schon mal von der Salicyl-Intoleranz/Salicyl-Unverträglichkeit gehört? Salicylsäure und Salicylate sind in vielen Lebensmitteln, aber auch in Medikamenten und Kosmetika enthalten. Aus diesem Grund müssen Personen, die an einer Unverträglichkeit oder einer Intoleranz gegenüber Salicylat leiden, nicht nur auf ihre Ernährung, sondern auch auf ihre Pflegeprodukte achten. Worum es sich bei den beiden Stoffen handelt, worin sie enthalten sind und wie sich eine Intoleranz/Unverträglichkeit äußert, erfährst du hier.
Was ist Salicylsäure?
Salicylsäure ist ein ursprünglich rein pflanzlicher Stoff, der in ätherischen Ölen und als Hormon in Blättern, Blüten und Wurzeln, aber auch in der Rinde verschiedener Pflanzen vorkommt. Pflanzen wehren mit Salicylsäure verschiedene Pathogene, z. B. Viren und schädliche Mikroorganismen, ab.
Mittlerweile kann Salicylsäure auch künstlich aus Kohlenstoffdioxid und Natriumphenolat hergestellt werden.
Und was ist dann Salicylat?
Salicylate sind die Salze der Salicylsäure. Die Salze der Salicylsäure kommen in natürlicher und synthetischer Form in Lebensmitteln, aber auch in Medikamenten und Kosmetika vor.
Was ist eine Salicyl-Intoleranz/Salicyl-Unverträglichkeit?
Eine Salicyl-Intoleranz/Salicyl-Unverträglichkeit ist eine körperliche Reaktion auf Salicylate, die sich in einem unserer zahlreichen Stoffwechsel-Kreisläufe zeigt.
Der betroffene Kreislauf ist der Arachidonsäure-Eikosanoid-Stoffwechsel. Phospholipasen (fettspaltende Enzyme) stellen aus den fetthaltigen Bestandteilen der Zellwände Arachidonsäure her. Die Fettsäure Arachidonsäure ist die Basis für verschiedene Eikosanoide. Eikosanoide sind hormonähnliche Substanzen, die als Signalmoleküle in unseren Körpern wirken. Zu diesen Substanzen zählen unter anderem Prostaglandine und Leukotriene. Sie vermitteln Zellen und Organen Entzündungsvorgänge und sind für Überempfindlichkeiten verantwortlich.
Salicylate hemmen nun die Prostaglandinproduktion und lindern Schmerzen und Entzündungen. Deswegen sind sie beispielsweise in Aspirin enthalten.
Bei einer Unverträglichkeit oder Intoleranz aktiviert die Aufnahme von Salicylat z. B. Mastzellen, Fresszellen und weiße Blutkörperchen, wodurch allergieähnliche Symptome ausgelöst werden.
Die Symptome sind aber sehr vielfältig: Von Magen-Darm-Erkrankungen über Schleimhautreizungen bis hin zu Nasen-Nebenhöhlen-Entzündungen sind unterschiedliche Reaktionen möglich. Eine Auslassdiät zur Diagnose sollte zuvor immer unbedingt mit einem Arzt besprochen werden.
Worin ist Salicylat enthalten?
Salicylate sind in verschiedenen Lebensmitteln enthalten, z. B. in:
- Radieschen
- Johannisbeeren
- Oliven
- Trauben
- verschiedenen Gewürzen
- Kirschen
Liste mit salicylathaltigen Lebensmitteln
Die kostenlose KochTrotz-Verträglichkeitsliste zeigt dir viele verschiedene Lebensmittel auf, in denen Salicylate enthalten sind. Alle gelisteten Lebensmittel verwende ich in meinen Koch- und Backbüchern.
Aber auch in Medikamenten und Kosmetika sind Salicylsäure und Salicylate enthalten. Das bedeutet für Menschen mit einer Salicyl-Intoleranz/Salicyl-Unverträglichkeit, dass sie trotz salicylatarmer Ernährung Beschwerden haben können, weil sich der Stoff in unerwarteten Produkten versteckt.
Bei Kosmetika finden wir vor allem Salicylsäure in Produkten gegen unreine Haut, also z. B. in Gesichtswassern oder in Reinigungsgels. Aber auch in Produkte, die ätherische Öle enthalten, sind Salicylate enthalten. Das schließt zum Beispiel Parfums mit ein.
Tipp für AllergikerInnen
Schau beim Kauf deiner Kosmetikprodukte, aber auch bei frei verkäuflichen Medikamenten, genau auf die Liste der Inhaltsstoffe!
Bei einer Salicyl-Intoleranz/Salicyl-Unverträglichkeit solltest du versuchen, Produkte zu meiden, die
– Salicylsäure oder Salicylic Acid
– Salicylate
– ätherische Öle
enthalten.
Quellen:
https://www.chemie.de/lexikon/Salicylsaeureure.html
https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Salicylate
https://www.allergy-guide.com/allergien/nahrungsmittelallergien-unvertraeglichkeiten/salicylat
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Lieber KochTrotz,
Dein Artikel wirft ein wichtiges Thema auf. Aber der Artikel ist leider nicht vollständig. Erstens fehlen viele Lebensmittel, die Salicylsäure enthalten. Das sind auch viele Grundnahrungsmittel. Nicht beschrieben wird, dass es gerade in den Pflanzen nicht nur Salicylsäure, sondern oft Vorstufen sind, die erst nach Resorption zu Salicylsäure umgewandelt werden. Drittens beschreibt der zitierte Artikel im Ärzteblatt, dass zunehmende Aufnahme solcher Pflanzennahrung zur Toleranzentwicklung ein geeignetes Behandlungsprinzip ist. Also gerade NICHT weglassen, sondern langsam Steigern der Zufuhr. Historisch müssen wir ja davon ausgehen, dass die Zufuhr dieser Lebensmittel allgemeiner Standard war und auch heute Teil einer ‚gesunden‘ Ernährung. Oder sollen die Menschen das meiste Obst, die meisten Gemüse sowie Buchweizen, Mais und Wein, Studentenfutter (Rosinen!) weglassen?
Mit freundlichen Grüßen,
Prof Dr Wolfgang Bernhard