Meine letzten 7 Jahre, meine Gesundheit und meine Erfahrungen … Es geht mir immer besser

Ihr lieben Leserinnen und Leser,

schon lange möchte ich einen ausführlichen Artikel zu meinem gesundheitlichen Status und Werdegang schreiben, auch wie es mir aktuell so geht. Jetzt, hier im Urlaub auf Jamaika, finde ich die nötige Ruhe und Entspanntheit dazu. „Schreiben über sich selbst“ finde ich persönlich ziemlich schwierig und ich brauche dafür den richtigen Moment. Das kennen die ein oder anderen unter euch bestimmt auch ganz gut. Dieser Artikel wird etwas länger und umfangreicher werden. Ich kann die letzten 7 Jahre einfach nicht in Kurzform verfassen, dazu ist zu viel passiert ;). Mir ist aber wichtig, einmal die ganze „Story“ der letzten Jahre aufzuschreiben. So kann ich euch einen umfangreichen und gesamten Einblick verschaffen. Hier im Blog findet ihr noch etliche weitere einzelne Artikel zum meinem Status der letzten Jahre.

Jahr 2010

Von heute auf morgen war alles anders…

Ich gehe noch einmal kurz an den Anfang meiner „Allergiker-Karriere“ zurück. Vor rund 7 Jahren begann alles mit einem Paukenschlag. Von jetzt auf gleich war nichts mehr wie vorher. Meinen bis dato allerschlimmsten anaphylaktischen Schock bekam ich mitten in der Nacht, zu Hause in meinem Bett. Mein Mann rief den Rettungswagen. Ich musste reanimiert werden, wurde not-eingeliefert und lag danach mehrere Wochen in der Klinik. Selbst in der Klinik bekam ich noch weitere anaphylaktische Schocks. Die Ärzte waren ratlos. Sie fanden keine Ursache für meinen anhaltend schlechten Zustand. Die Allergietests zeigten negative Ergebnisse, laut den Tests hatte ich keine Allergien. Es wurden auch keine anderen Auslöser für meine heftigen Reaktionen gefunden. Noch im Krankenhaus bestand ich darauf, dass Apfel und Tomate getestet werden indem ich beides esse. Nach längerem Hin und Her und aufgrund meiner Standhaftigkeit, willigten die Ärzte schließlich ein. An einem Tag aß ich unter ärztlicher Aufsicht ein kleines Stück Apfel und drei Tage später dann ein Stückchen Tomate. Beide Male erfolgten binnen Minuten weitere, starke Allergieschocks.

Aber wie kann sowas sein?

Die Allergietests waren doch negativ! Die Ärzte wussten damals auch keine Antwort. Erst Jahre später erklärte mir eine findige Allergologin den Grund dafür. Gerade bei Äpfeln und auch Tomaten gibt es zig verschiedene Sorten. Bei den Testungen werden nur die am häufigsten auftretenden Sorten getestet. Bist du also gegen eine andere Sorte allergisch, so schlägt der Test nicht an. Genau das war bei mir der Fall. Einige Jahre später stellte sich in meinem Fall noch ein ganz anderer Fakt heraus. Ich bin ein sogenannter Non-Responder. Das bedeutet, mein Körper reagiert teils überhaupt nicht auf herkömmliche Testverfahren. Das macht mir bis heute das Leben nicht gerade einfacher. Ich weiß bis heute nicht auf welche Pollen und Gräser ich mit meinem Heuschnupfen reagiere. Doch der Reihe nach …

Ohne Diagnose entlassen

Aus dem Krankenhaus wurde ich im August 2010 ohne Diagnose entlassen. Ich bekam eine Liste mit 12 Lebensmitteln. Diese 12 Lebensmittel schätzten die Ärzte damals für mich persönlich als verträglich und ungefährlich ein. Da ich immer wieder nach der Liste gefragt werde: Die Lebensmittel sind individuell und nicht auf andere übertragbar.

Für viele weitere Monate musste ich hochdosiert Kortison und Antihistaminika einnehmen. Ich fühlte mich schrecklich und hatte große Angst. Was passiert wenn sich die Vorfälle wiederholen? Gleichzeitig wusste ich aber ganz tief in mir, ich werde herausbekommen was mit mir los ist und ich werde „es“ auch wieder los. Für mich war sonnenklar, ich werde diese Einschränkungen nicht mein Leben dominieren lassen!

Die Ärztesuche und eigene Recherchen

Ich ging auf Ärztesuche und habe nichts anderes erlebt als so viele von Euch. Ich wurde oft nicht ernst genommen, meine Beschwerden wurden abgetan und schnell war immer wieder eine psychische Diagnose auf dem Parkett. Die Psyche war es bei mir keinesfalls, das wusste ich sicher. Mein Ärzte- und Heilpraktiker-Verschleiß war jedenfalls enorm und erst einmal wurde ich auch nicht fündig. Heute ist mir klar: Es ist fast unmöglich einen passenden Arzt zu finden, wenn Du selber noch gar nicht genau weißt, wonach du eigentlich suchst. Ich hatte ja keine Diagnose – nur diese heftigen Allergieschocks.

Ich fing an im Web zu recherchieren was wohl mit mir los sein könnte. Ich habe das Internet damals quasi gefressen. Mehr als je zuvor war ich dankbar für die Erfindung des Internets! Arbeitsfähig war ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Also steckte ich meine Zeit in Internetrecherchen und so langsam formte sich ein Bild. Ich muss dazu sagen, ich war schon zu diesem Zeitpunkt medizinisch nicht ganz unbewandert. In meinem damaligen Hauptberuf als selbstständige Kommunikationsstrategin lag mein Schwerpunkt seit vielen Jahren im Bereich Gesundheitskommunikation. Ich war also vertraut mit dem Lesen von Studien und fachmedizinischen Texten und somit in der Lage, diese zu verstehen. Das half mir enorm.

Gleichzeitig zermarterte ich mir natürlich mein Gehirn. Was war vorgefallen? Was konnte diese Schocks auslösen? Woher kommen diese ständigen Gliederschmerzen? Warum lagere ich soviel Wasser ein? Wieso schwillt mir der Hals immer zu? Wieso sehe ich manchmal wie eine Hochschwangere aus? Warum ist mein Bauch steinhart und tut extrem weh? Woher kommt diese Urtikaria? Warum habe ich Sprachstörungen? Warum schwankt meine Stimmung so sehr? Warum bin ich an manchen Tagen völlig down? Sind das Nachwehen meines starken Burnouts einige Jahre zuvor? Ist das ein erneuter Burnout? Hat mein Tinnitus etwas damit zu tun? Sind die krasse Ernährungsumstellung und meine 25 abgenommenen Kilos schuld an allem? Fragen über Fragen… keine Antworten…

Je mehr ich recherchierte, desto mehr traute ich mich auch. Ohne ärztliche Betreuung erweiterte ich meinen Speiseplan und steigerte meine 12 Lebensmittel langsam. Ich hatte mir eine Liste von biogen Amin-armen Lebensmitteln zusammengestellt. Damals wusste ich nichts von meiner starken Histamin-Intoleranz, tat aber instinktiv genau das Richtige.

Isst man über längeren Zeitraum immer die gleichen, wenigen Lebensmittel, so fördert man weitere Intoleranzen und auch Allergien. Das weiß ich heute. In 2010 hatte ich keine Ahnung.

Jahr 2011

Der erste Lichtblick und gleichzeitig ein Schock

Dann fand ich, nach circa einem Jahr, den ersten Arzt der Licht ins Dunkel brachte. Er diagnostizierte die Histamin-Intoleranz, stellte Gluten-Antikörper, eine ziemlich durcheinander geratene Darmflora und extreme Nährstoffmängel fest. Diese erste Diagnose war gleichzeitig ein Schock und auch ein Segen. OMG was habe ich denn da? Hilfe, wie werde ich dem Herr? Da Ärzte selten viel erklären, wurde ich erneut selbst aktiv. Ich fraß also wieder das Internet auf ;). So wie es mir meine Kraft erlaubte recherchierte ich über die aktuellen Diagnosen. Wieder machte ich mir ein eigenes Bild und war bald nicht mehr so sehr mit der Therapie meines Arztes einverstanden. Für mich gehörten noch weitere Maßnahmen mit zur Therapie, diese wollte er aber nicht. Ärzte sind oft nicht sehr begeistert wenn man mit eigenen Ideen daherkommt. Das ist einerseits verständlich. Andererseits hat es mich mit meinem eigenen Fall sehr weit gebracht. Später fand ich „meine“ Ärztin. Sie ist sehr offen für persönliche Ideen. Sie ist der Meinung, dass niemand den eigenen Körper besser kennt als man selbst. Nun, zu diesem Zeitpunkt war ich mir recht sicher, dass da noch mehr schlummerte. Mir ging es besser, aber immer noch recht schlecht.

Ich lebte eine strenge Diät, ernährte mich histaminarm und glutenfrei. Zwischenzeitlich bekam ich noch die Diagnose Zöliakie. Das nehme ich vorweg: Die Diagnose konnte vor gut 2,5 Jahren zuverlässig revidiert werden. Aber auch hierzu brauchte es engagierte Ärzte, die bereit waren die Untersuchungen erneut durchzuführen.

Was mir persönlich über all die Jahre geholfen hat war mein unbändiger Wille. Auch wenn es mir richtig mies ging, mein Wille hat mir immer die Kraft gegeben mich weiterzubilden, zu recherchieren, neue Ärzte aufzusuchen und mit anderen Betroffenen zu sprechen. Mein Wille hat auch meine Psyche recht stabil gehalten. Die Psyche spielt nämlich eine enorme Rolle bei einigen Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. Dazu später noch mehr.

Jetzt weiß ich warum die Allergietests nicht anschlagen

Zwischenzeitlich fand ich eine gute Allergologin. Sie fand schnell heraus, dass ich auf das herkömmliche RAST-Testverfahren nicht gut anschlage. Also testete sie monatelang mit mir zig Lebensmittel mit dem sogenannten SCRATCH-Verfahren. Hier wird die Haut etwas aufgeraut und das jeweilige Lebensmittel wird auftragen. Dieser Scratch-Test klappt ziemlich gut bei mir. Nach fast einem Jahr testen standen dann circa 50 Nahrungsmittel-Allergien mit unterschiedlichen Stärkegraden fest. Das brachte weiteres Licht ins Dunkel. Aber auch sie war sich sicher, da ist noch mehr! Nur was?

An dieser Stelle bemerke ich: In Absprache und auf Wunsch meiner Ärzte nenne ich deren Namen nicht und bitte auch Euch dahingehend um Verständnis.

Bist du auf Ärztesuche? Durch die vielen Kontakte mit Betroffenen und auch durch meine eigenen Erfahrungen, habe ich folgendes bemerkt: Häufig kennen sich neben Gastroenterologen und Allergologen promovierte Ärzte mit der Fachrichtung „Naturheilkunde/Naturheilverfahren“ sehr gut aus. Ärzte mit dieser Fachrichtung haben neben dem klassischen Medizinstudium noch eine zusätzliche Ausbildung durchlaufen. Sie befassen sich tiefgreifender und ganzheitlicher mit unseren Anliegen und suchen die Ursachen. Sie kennen quasi beide Welten, die klassische Medizin und auch alternative Heil-und Therapieansätze. Auch mir ist natürlich aufgefallen, dass vor allem Privatärzte ihren Patienten mehr Zeit und Aufmerksamkeit schenken – meine besten Ärzte gehören tatsächlich auch allesamt in diese Kategorie. Ich bin dankbar, dass ich diese Möglichkeit wegen meiner langjährigen Selbstständigkeit heute wahrnehmen kann – doch ich finde zugleich, dass dies kein zufriedenstellender Zustand ist. Ich würde mir sehr wünschen, dass es künftig noch mehr Kassenärzte gibt, die sich in diesen Themenfeldern schlau machen

Viele Diagnosen auf einmal und mein Durchhänger

Durch einen Zufall fand ich dann eine weitere Ärztin in meiner Heimatstadt. Ich kam in einem ziemlich desolaten Zustand bei ihr an. Mir ging es damals wieder schlechter und auch meine Psyche war zu diesem Zeitpunkt in Mitleidenschaft gezogen. Sie handelte zielsicher und umfangreich. Über etliche Monate erfolgten weitere Diagnosen. Meine Darmflora war immer noch ziemlich kaputt. Hinzukamen Fructose-, Sorbit-, Laktose- und Kasein-Intoleranz. Gluten-Antikörper hatte ich nach wie vor und auch die Histamin-Intoleranz war natürlich nicht verschwunden. Mein Nährstoffhaushalt war ein Desaster und das alles trotz strenger Diät und Supplementierungen.

Fragt nicht wie es mir damals mit den neuen Diagnosen ging. Auch wenn ich einen extra starken Willen habe und ein durch und durch positiver Mensch bin, das haute mich um. Ich hatte einen Durchhänger von gut zwei Wochen.

Anfangs ging ich alle zwei Tage zur Infusion. Mein Körper benötigte Vitamine-, Mineral- und weitere Nährstoffe. Zusätzlich bekam ich eine Autovaccine-Therapie um mein Immunsystem zu stärken. Wir starteten sofort mit einer ausgefeilten Darmsanierung. Diese war in Phasen aufgebaut und dauerte insgesamt ein gutes Jahr. Im Nachhinein weiß ich welch wichtiger Grundstein mit dieser Darmsanierung gelegt wurde. Unser Darm und seine Gesundheit sind elementar.

Ihr fragt mich ja immer wieder welche Präparate ich genommen habe. Ich weiß heute, dass je nach Darmflorastatus spezielle und vor allem individuelle Zusammensetzungen notwendig sind. Ich kann also kein bestimmtes Präparat empfehlen. Jede Darmsanierung ist eine individuelle Angelegenheit.

Die Infusionen waren ziemlich zeitaufwändig. Es war nicht immer einfach, sie in meinen Arbeitsalltag zu integrieren. Nicht zu vergessen: Bei mir kommen auch immer mal wieder Infusionsphasen wegen meines Tinnitus hinzu. Da muss ich dann täglich zum HNO. Da mein Tinnitus sehr schwankend ist, ist dies die für mich geeignete Therapieform.

In dieser Zeit „fraß“ ich wieder einmal große Teile des Internets in mich hinein und bestellte mir medizinische Fachbücher. Ich recherchierte ohne Ende. Naja, ich hatte ja auch echt viele Diagnosen bekommen. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie groß die Bauklötzchen waren die ich staunte, als ich folgendes erfuhr: Nerven verbinden Darm und Hirn! Der Vagusnerv und das lymbische System sind verbunden. Neurotransmitter und auch ein Teil des Serotonins (Glückshormon) werden im Darm gebildet. Ist die Darmflora gestört, können wichtige Botenstoffe nicht gebildet und gesendet werden. Die Folgen sind unter anderem Depressionen. Aha, da haben wir es! Jetzt wusste ich warum meine Psyche so litt. Ich bin ein faktischer Mensch. Mir half damals alleine dieses Wissen damit es mir psychisch schlagartig besser ging. Ich hatte schon an mir selbst gezweifelt. Mein psychischer Zustand passte so gar nicht zu mir.

Weitere Diagnosen

Meine Ärztin war sich von Beginn an sicher, dass es einen Auslöser für meine umfangreichen Beschwerden und auch die Nährstoffmängel gibt. Sie ordnete weitere Untersuchungen und Analysen an. Ziemlich schnell wurde HPU (Hämopyrrollactamie) festgestellt. HPU ist eine Stoffwechselkrankheit, die auch vererbt werden kann, allerdings auch durch Darmprobleme und Stress entstehen kann. Es entsteht ein Mangel an aktivem Vitamin B6 (P5P) und Zink. Diese Mängel können nicht durch die Ernährung aufgefüllt werden und ziehen häufig weitere Mängel nach sich. Auch hier nachzulesen: http://csn-deutschland.de/hpu.htm

Heute weiß ich, dass man die Intoleranzen genauso wenig sein Leben lang haben muss wie die HPU. Natürlich nur sofern sie nicht angeboren sind. In der ersten Zeit nach den Diagnosen wusste ich dies nicht.

Jahr 2012 und 2013

Ab jetzt ging es aufwärts

Ich kann es kaum in Worten wiedergeben was dann passierte. Die Diagnose erfolgte kurz vor meiner Abreise in den Urlaub. Wir hatten wieder einmal einen Jamaika-Urlaub gebucht. Das Land gefällt uns und ich vertrage die Lebensmittel dort so gut. Meine Ärztin verschrieb mir alle Supplements einzeln. Aufgrund meiner starken Mängel und der Werte passte sie die HPU-Supplements individuell auf mich an. Sie brauchte 3 Zettel für meine Rezepte und in der Apotheke holte ich dann eine ganze Tüte voller „Zeugs“ ab. Ab Tag eins im Urlaub nahm ich also meine Nahrungsergänzungsmittel. Ich musste täglich 84 verschiedene Tabletten, Kapseln und Pillen schlucken. Horror! ABER – Ab Tag 3 erlebte ich so etwas wie ein Wunder. Mir ging es von Tag zu Tag besser und nach circa 10 Tagen ging es mir blendend! Wie gut, dass ich schon zuvor auf Jamaika im Urlaub war und meinen Zustand differenzieren konnte.

Auch zu Hause hielt mein guter Zustand an! Das war echt der helle Wahnsinn. Es war tatsächlich nicht urlaubsbedingt! Ab dieser Zeit nahmen meine Intoleranzen und Allergien ab. Als erstes konnte ich wieder Milcheiweiß (Kasein) vertragen. Dann ging die Histamin-Intoleranz stark zurück und fast gleichzeitig auch Sorbit- und Fructose. Ich fühlte mich wie ein Kraftpaket.

Allergien verschwinden, andere kommen

Von meiner Allergologin wusste ich schon, dass wir meine Allergien alle 2 Jahre testen würden und ich auch gute Chancen hatte, viele von ihnen wieder zu verlieren. Auch das bewahrheitete sich. Meine Allergien waren drastisch zurückgegangen. Allerdings kam eine neue, schwere hinzu, nämlich Hühnerfleisch-Allergie. Aber nur das Fleisch, Eier nicht und auch Pute oder Truthahn nicht. Sachen gibt’s!

Ich stellte meine Ernährung um

Da meine Hühnerfleischallergie wirklich heftig war und ich zusätzlich immer wieder gelesen hatte, dass eine rein pflanzliche Ernährung bei Nahrungsmittel-Intoleranzen helfen kann, entschied ich mich es auszuprobieren. Von einem Tag auf den anderen stellte ich meine Ernährung um. Ich ernährte mich vegan. Die ersten Wochen waren euphorisch. Mir ging es noch besser! Das gibt’s doch gar nicht dachte ich mir. Wahnsinn. Also blieb ich dabei. Ich vertrug jetzt sogar Hülsenfrüchte wieder gut und einiges andere auch. Eigentlich wollte ich nur die empfohlenen 6 Monate machen und mich nur über diesen Zeitraum vegan ernähren. Da es mir aber so blendend ging, blieb ich gute 2 Jahre dabei. Heute kann ich für mich sagen, ich hätte es bei maximal einem Jahr rein pflanzlicher Ernährung belassen sollen. Das wäre für mich der optimale Zeitraum gewesen. Danach entwickelte ich Mängel. Mängel, die ich auch erst einmal nicht wahrhaben wollte. So ganz freie Bahn hatte ich ja nie. Ich vertrug ja auch weiterhin etliche Lebensmittel nicht. Somit fehlten mir notwendige Nährstoffe in meiner Ernährung. Ich wollte auch nicht wieder tonnenweise supplementieren. Vielleicht ist das nachvollziehbar. Wenn du über Jahre so viele Kapseln und Pillen am Tag schluckst dann reicht es dir halt irgendwann.

Meine größte Errungenschaft aus dieser Zeit ist, ich vertrage wieder Tomaten!

Jahr 2014

Ein erneuter gesundheitlicher Einbruch – Kontaktallergien

Ab Herbst 2014 erlebte ich einen weiteren gesundheitlichen Einbruch. Meine Haut schien auseinander zu fallen. Vor allem war mein Gesicht heftig betroffen. Meine Allergologin, die auch Dermatologin ist, ordnete Epikutantests an. Dieser Patch-Test sollte in Erfahrung bringen, ob ich Kontaktallergien habe. Was dann ans Tageslicht kam, war wieder einmal echt Horror! Ich reagierte auf sämtliche Waschmittel, Shampoos, Duschbäder und Zahnpasten in unserem Haushalt allergisch. Das reichte natürlich nicht, ich hatte zu diesem Zeitpunkt Allergien auf einige Tenside, die in allen gängigen Produkten enthalten sind. Da stand ich mal wieder da! Egal ob Bio oder konventionelles Produkt, ich fand erst einmal nichts was vertrug und ging neue Wege. Waschnüsse und indisches Haarpulver waren die Lösung und jede Menge Kortison. Ich hasse Kortison, ich vertrage es extrem schlecht und es beschert mir enorme Gewichtszunahmen (dieses Mal weit über 10 Kilo). Aber was sollte ich machen. Insgesamt nahm ich fast 9 Monate Kortison ein. Die Köperhaut besserte sich schnell. Doch meine Gesichtshaut war schlimm, sehr schlimm.

Damals traf ich die Entscheidung, meine Ernährung wieder auf „normal“ umzustellen und dem Rat meiner Ärztin zu folgen.

Jahr 2015

Es geht mir noch schlechter

In 2015, wieder im Urlaub auf Jamaika, ging es mir sehr schlecht. So schlecht, dass mein Mann in Erwägung zog, mich in die USA auszufliegen und dort in ärztliche Hände zu geben. Ich schlief circa 14 – 18 Stunden am Tag und hatte keine Kraft. Ich hatte unbändige Schmerzen im Gesicht. Vom Auge herunter bis zur Schulter tat alles weh auf der rechten Seite. Wir gaben mir noch einen weiteren Tag und warteten ab. Diese Nacht war die Hölle. Ich dachte, ich gebe echt auf, die Schmerzen waren trotz Schmerzmittel kaum mehr zu ertragen. Am nächsten Tag ging es besser. Die Schmerzen waren weg! Was war das bloß jetzt wieder? Kann ich euch sagen. Ich ging nämlich direkt nach meiner Rückkehr zum Zahnarzt. Ich hatte eine schlummernde Nervenentzündung am Zahn und diese hatte mich so sehr gequält. Da der Schmerzherd allerdings gar nicht am Zahn war und mein Gesicht ja eh schon in Mitleidenschaft gezogen war, hatte ich selbst an so etwas nicht gedacht. Und wieder einmal: Sachen gibt’s!

Die periorale Dermatitis (Mundrose)

Noch im Urlaub vereinbarte ich in Düsseldorf einen Termin bei einem neuen Dermatologen. Mein Gesicht konnte so nicht bleiben. Außerdem war ich ja der festen Überzeugung, die Schmerzen rühren von der Haut her. So sah ich aus:

Periorale Dermatitis - Vorher - NachherKaum wieder zurück war ich direkt in der Praxis. Diagnose: periorale Dermatitis und eine starke Sonnenallergie. Sonnenallergie? What? Das jetzt auch noch? Die Dermatologin war sich sicher, dass dies keine dauerhafte Allergie sein kann und sehr schnell von dannen ziehe. Sie hatte Recht! Ich hatte seither keine mehr. Die periorale Dermatitis behandelte sie 6 Wochen lang mit Antibiotika und zack, sie war weg.

Sie kam auch nie wieder. Gleichzeitig wurde meine Rosazea behandelt. Die habe ich schon seit der Kindheit. Meine neue Dermatologin erklärte mir, dass eine Rosazea mit zunehmendem Alter (da war ich 47) Auslöser für Kranhkeiten wie bspw. die periorale Dermatitis sein könne. Ich bekam zwei Sitzungen und sie wurde mit dem Laser behandelt. Angenehm ist anders, aber es lohnt sich sehr. Meine Haut ist seither so viel besser und ich habe keine Schwierigkeiten mehr. Hätten wir also diese Baustelle auch im Griff 😉 .

Auf dem Foto links seht ihr mich vor der Behandlung (oben) und nach der Behandlung (unten).

Jahr 2015 und 2016

Jetzt auch noch eine Schwermetallvergiftung

Im Herbst 2015 war ich erneut recht kraftlos und oft unkonzentriert. Ich hasse diesen Zustand. Ich bin doch ein fokussierter, koordinierter und recht straff organisierter Mensch. Bin ich unkonzentriert und antriebslos, hemmt mich das so sehr. Also vereinbarte ich wieder einmal einen Termin bei meiner Ärztin. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon so weit, dass ich die HPU im Griff hatte und deshalb nicht mehr ständig supplementieren musste, zusätzlich war meine Darmflora super. Alle meine Intoleranzen waren so gut wie weg und die Nahrungsmittelallergien auf circa 10 Stück (auf niedriger Stufe) reduziert. Ich selbst hatte die HPU im Verdacht. Es kam anders …

Long Story short… Meine Ärztin checkte die Werte meiner Mitochondrien mit katastrophalem Ergebnis. Nach weiteren Tests wurde im Frühjahr 2016 eine sehr starke Schwermetallvergiftung festgestellt. Das Ergebnis werde ich so schnell nicht vergessen. Mein Wert sprengte die Messskala um das Zigfache. Woher kommt jetzt der Scheiß (sorry für die Ausdrucksweise) dachte ich mir. Das kann doch nicht angehen. Ich konnte den Grund für die Vergiftung bis heute nicht herausfinden. Wir haben unsere Wohnung von einem Baubiologen untersuchen lassen, auch alle Leitungen, etc. Er hat keine Ursache in unserer Wohnung gefunden. Auch ansonsten konnte ich bislang keinen Auslöser finden. Aber irgendwoher habe ich sie, das ist klar. Nun, ich bin viel unterwegs. Wer weiß was da passiert ist.

Jetzt ging es darum, die Schwermetallvergiftung loszuwerden. Ab Frühjahr 2016 ging ich monatelang mehrfach die Woche zur Ausleitung per Chelat-Therapie. Zusätzlich wurden natürlich auch per Infusion wieder Nährstoffe aufgefüllt, die man bei der Chelat-Therapie verliert. Weiterhin supplementierte ich diverse Nährstoffe um noch besser zu entgiften. Ergebnis nach 9 Monaten: Meine Werte haben sich nur minimal verbessert. Mein Zustand hat sich allerdings enorm verbessert. Mir geht es gut, ich habe Kraft und bin seit Monaten konzentriert. Zusätzlich konnte ich diverse Verträglichkeiten steigern. Und – oh Wunder – ich vertrage wieder rohe Äpfel wieder in halbwegs annehmbaren Mengen!

KochTrotz - Erfahrungsbericht 7 Jahre - Nahrungsmittel-Intoleranzen und Allergien

Ich kann euch sagen, im Moment bin ich es leid permanent Infusionen zu bekommen und habe erst einmal Abstand davon genommen. Solche Phasen hatte ich immer mal wieder mal. Da bin ich es einfach leid! Dann habe ich keinen Bock! Das ist doch auch normal oder? Da es mir im Moment gutgeht, lasse ich meine Werte im Juli wieder testen und dann sehen wir weiter. Dann habe ich bestimmt auch wieder mehr Muse, diese Schwermetallvergiftung in den Griff zu bekommen. Vermutlich rührt ja auch vieles von daher. Zumindest vieles was mir heute noch das Leben erschwert.

Jahr 2017

Mein jetziger Status

Ihr merkt, in den letzten Jahren war einiges los bei mir. Ich konnte gesundheitlich viel erreichen und die Intoleranzen eliminieren oder zumindest drastisch reduzieren. Mit Histamin, Fructose und Sorbit habe ich kaum mehr Probleme Kasein ist eh schon lange weg. Mein eigenes Zutun und auch mein Aktivismus hat mir viel geholfen. Die Psyche spielt eine enorme Rolle dabei. Soviel weiß ich ja heute. Es ist mir gelungen, all die Jahre den Kopf nicht in den Sand zu stecken und das war gut und wichtig.

Trotz genetischer Laktose-Intoleranz vertrage ich heute gewisse Mengen Laktose sehr gut. Ich nehme keine Laktasetabletten mehr ein. Das ist der beste Beweis, dass meine Darmflora intakt ist. Verzehre ich größere Mengen an Milchprodukten, so greife ich auf laktosefreie zurück. Hier im Urlaub habe ich noch nicht mal Laktasetabletten dabei.

In diesem Jahr war mein Heuschnupfen im Frühjahr nicht so heftig wie die 3 Jahre zuvor. Ich nehme gerade an einem Forschungsprogramm „Heuschnupfen“ teil. Dieses Projekt scheint bei mir gut anzuschlagen. Wir werden sehen was im Herbst passiert. Da habe ich auch immer wieder Heuschnupfen-Attacken.

Für mich habe ich herausgefunden, dass ich etliche, stark inulinhaltige Lebensmittel nicht vertrage. Ganz vorne ist da Topinambur, Artischocke, Chicorée und einige andere. Vertrage ich genau Null! Da geht es mir sowas von mies. Das hat ein wenig gedauert bis ich das raus hatte. Aber jetzt weiß ich es.

Gluten kann ich seit einiger Zeit auch wieder besser vertragen. Ich darf es nicht übertreiben. Die Gluten-Sensititvät ist stark zurückgegangen. Insgesamt tun mir allerdings weder Getreide noch Pseudogetreide in großen Mengen gut. Da achte ich inzwischen sehr drauf.

Seit Ostern 2015 hatte ich keinen anaphylaktischen Schock mehr. Da drücke ich mir selbst die Daumen, dass auch keine mehr kommen. 😉 Ich hatte für mein Bedürfnis ausreichend viele und an den unmöglichsten Orten. Selbst im Flugzeug wurde ich heimgesucht.

Einige Nahrungsmittel wie bspw. Spinat oder Soja vertrage ich nach wie vor nicht. Aber hey, das ist ja nix im Vergleich zu früher 😉 .

Verschiedene Aromastoffe in Klimaanlagen erzeugen bei mir heftige Nießanfälle und Atemnot. Ich kann ein bestimmtes Café in Köln beispielsweise nicht betreten. Da geht es schon nach Sekunden los. Manchmal habe ich Probleme im Flugzeug wenn der Landanflug losgeht und offensichtlich Aromastoffe in die Luft gepumpt werden. In Aufzügen ist es teils auch echt schlimm. Das sind aber Situationen für die ich gewappnet bin.

Ach ja, die Hühnerfleisch-Allergie ist auch wieder verschwunden!

Als nächstes widme ich mich dann wieder dieser lästigen Schwermetallvergiftung. Dieser muss ja auch irgendwie beizukommen sein.

Was mir noch wichtig zu sagen ist: Mein Mann und meine Familie haben mich zu jedem Zeitpunkt unterstützt und mir Kraft gegeben. Niemals und zu keiner Zeit zweifelte jemand oder hat meinen Zustand abgetan. Das war und ist eine riesige Stütze. Vielen Dank dafür ❤️❤️❤️.

Die passende Ernährung

Nachdem ich jetzt ziemlich stabil bin mit den Verträglichkeiten, habe ich in diesem Jahr viel Zeit aufgewendet, eine passende Ernährung auszutüfteln. Sie sollte nicht nur für mich greifen, auch mein Mann hatte da so ein paar Themen. Wichtig war mir eine möglichst optimale Nährstoffversorgung, einen sehr hohen Gemüseanteil zu haben, wenig Fett, so gut wie kein Zucker, gut in den Alltag zu integrieren und auf Reisen realisierbar.

Es scheint mir auch gut gelungen zu sein. Unsere Stoffwechsel arbeiten deutlich aktiver. Wir haben endlich abnehmen können. Auch meine Schilddrüsenwerte scheinen sich zu stabilisieren. Ich würde zukünftig sehr gerne auf die Schilddrüsenhormone verzichten wollen. Zum Thema Ernährung kann ich euch gerne ein anderes Mal berichten.

KochTrotz - Erfahrungsbericht 7 Jahre - Nahrungsmittel-Intoleranzen und Allergien

Uiuiui, der Artikel ist sehr lang geworden. Wie schon anfangs geschrieben, war es mir aber wichtig, einmal die ganze Story bis heute aufzuschreiben. Ihn in verschiedene Teile aufzuteilen war weder in meinem noch eurem Sinne. Ich hatte euch ja kurz auf meiner Facebook Fanpage gefragt.

Ich grüße euch ganz herzlich von meiner Lieblingsinsel Jamaika. Hier verweile ich ja noch eine Weile und verbringe eine recht entspannte Zeit und wir erholen uns sehr gut.

Alles Liebe

Eure

 

 

 

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